Ich bin Musiker

a2Ich bin Musiker.

Ich bin Künstler. Ich lese viel, denke viel nach, versuche die Welt und mein Innerstes zu verstehen und das dann in meine Musik einfließen zu lassen. Weil ich Musiker bin.

Aber manches Mal passieren Dinge die einen aus der Bahn werfen, Dinge die man nicht vorhersehen kann und die uns einen Teil des Lebens nehmen. Bei mir war es ein Betrüger dem ich aufgesessen bin und der mich jahrelang von meinem Weg abgebracht und fast meine Musik zerstört hat. Und dazu kam dann noch eine Verletzung die es mir lange Zeit unmöglich machte mein Instrument zu spielen.

Und jetzt stehe ich da, plötzlich bin ich vierzig und mein innerer Kompaß zeigt keine Richtung mehr an. Ich spüre meine Musik nicht mehr, spüre meine Hände nicht mehr und kann nicht mehr spielen. Ich wußte schon, je älter man wird desto schwerer wird es zu träumen, desto schwerer wird es sich noch einmal aufzuraffen und sich auf den Weg zu begeben. Viel zu viele Steine beschweren unserer Rucksack, viel zu viele Dinge haben uns alt und müde gemacht.

Und alle sagen mir: „Such Dir doch eine Arbeit, vergiß es, Du bist zu alt, sieh es doch endlich ein.“

Doch meine Seele gibt keine Ruhe.

Alle sagen: „Werd´ endlich vernünftig, werd´ erwachsen, sei kein Träumer mehr. Du bist zu alt, es ist zu spät und es ist vorbei.“

Aber die Musik in mir lässt mir keine Ruhe.

Ich will nicht mit Achtzig auf mein Leben zurücksehen und mir denken: „Hätte ich damals doch nur, warum war ich zu feig, zu ängstlich…“ Denn dann ist es wirklich zu spät. Ich will zurücksehen und sagen können, egal was passiert, es war gut so und ich hab´ das getan wofür ich auf der Welt war.

Und deshalb beginne ich wieder meinen Weg zu gehen, trotz all der Schmerzen und all der Angst. Versuche nicht mehr über das zu weinen was ich verloren habe. Versuche nicht mehr dort anzuknüpfen wo ich einmal war denn der Mensch von damals ist tot. Suche jetzt wieder meinen Weg, einen Weg zu mir und meiner Musik. Ich weiß nicht wohin er führen wird, ich weiß nur daß ich ihn gehen muß, egal was passiert und egal wohin er führt.

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16 Gedanken zu “Ich bin Musiker”

  1. Lieber Thomas, ich glaube, ich kann Dich gut verstehen. Ich war selbsr als Kind und Jugendlicher in Salzburg zwei Jahre an der Orff-Schule und 6 Jahre am Mozarteum, also wirklich auf dem Weg zum Musiker. Dann kam eine biographische Steilkurve dazwischen, aus der ich rasant rausgeflogen bin, und es blieb nur die Literatur. Heute versuche ich, beides zu pflegen: Das Schreiben und die Musik. Aber ich muss sogar wieder lernen, Noten zu lesen (als früherer Mozarteums-Schüler mit Fächern wie „Kompositionslehre“ und „Chorgesang“ und Praxis mir Blockflöte, Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Ich muss bescheiden bleiben und nicht alles auf einmal wieder haben wollen, was da noch als Erinnerung im Kopf sitzt (zum Teil so alt, dass nicht einmal meine Frau eine Vorstellung davon hat, die seit 40 Jahren mit mir zusammen ist). Dass man sich nicht an diesen Erinnerungen orientieren darf, habe ich übrigens im Sport gelernt. Wir leben JETZT, und daraus lässt sich immer etwas Tolles machen.

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    1. Hallo Widmar.

      Danke für Deine Worte. Und ich glaube daß es sensible Menschen / Künstler wirklich schwerer haben auf ihrem Weg zu bleiben. Schön daß Du bei der Literatur geblieben bist und heute wieder beginnst Musik zu machen.

      Und interessant daß Du das mit dem Sport erwähnst. Ich habe auch einige Bücher von Trainern gelesen, da ist das gesamte Training und Leben viel anders aufgebaut, vor allem hat man immer ein Team um sich rum das auf einen aufpasst. Nicht das ich das möchte, das würde mich wahnsinnig machen in meiner geliebten Einsamkeit, aber es würde einiges einfacher machen.

      Thomas.

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  2. „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!“
    Oft ist dieses Sprichwort leichtfertig, unbedacht dahin gesagt – manchmal sind es jedoch wahre Worte und treffen genau die richtige Person …

    Halte an dem fest, was dich ausmacht und du findest wieder zu dir selbst. Das jedenfalls wünsche ich dir!

    Liebe Grüße
    Patricia

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  3. Habe gerade deine hübsche Seite antdeckt und werde bei Zeiten auch noch mehr lesen. So oft vergessen die Menschen, was das Leben wirklich bedeutet. Ich wünsche dir Erfüllung.
    (PS: Dein Gravatar weist auf eine wohl veraltete Seite hin, was schade ist. Falls du irgendwo kommentierst oder likest, kann niemand diese Seite hier finden. ;))
    Und damit alles Liebe und einen Start in das neue Jahr, der Hoffnung bedeutet.

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    1. Hallo Namika. Danke, ich habe Deine Seite auch schon gelesen und die gefällt mir außerordentlich gut. Ich habe Deinen letzten Beitrag sogar schon auf Facebook geteilt weil er mir so gut gefallen hat!

      Und wie war das mit dem Gravatar? Was ist das? Ich hatte vorher keine Seite, aber da muß ich mich mal umhören.

      Thomas.

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      1. Lieber Thomas,
        vielen Dank, das freut mich sehr.
        Der Gravatar ist dein Profil, was als kleines Bild erscheint, wenn du irgendwo etwas likest/kommentierst und klickt man also dort auf dein Bild, kommt man auf eine Seite, die nicht (mehr) existiert: https://probe002blog.wordpress.com/ — müsstest du in den Einstellungen von WordPress ändern können (WP Admin –> Benutzer –> Mein Profil)
        Liebe Grüße,
        Namika

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  4. Hey Thomas! Ich hab dich im Blogboard in der Vorstellungsrunde gefunden und die Kommentare der Anderen haben mich neugierig gemacht 🙂
    Ich kenn das nur zu gut. Ich nehm mir lieber die Zeit die ich brauche, studiere mittleirweile im 7. Semester immernoch im Bachelor und bin 25 Jahre alt. Ich beschäftige mich aber lieber viel mehr mit kreativen Dingen, eben auch viel mit Musik und möchte einfach das machen, was mir Spaß macht. Trotzdem Studiere ich (so langsam vor mich hin) um am Ende wenigstens was in der Hinterhand zu haben. Ich kann deine Einstellung hier voll nachvollziehen,

    Liebe Grüße Chris

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    1. Hallo Chris. Danke daß Du hier vorbeischaust und danke für Deine Worte. Ja, ich kenne das auch noch aus meiner Studienzeit. Ich habe meist die Vorlesungen geschmissen nur damit ich üben und lesen kann. Aber, ja, man braucht auch etwas von dem man leben kann.
      Was studierst Du denn?
      Und was machst Du für Kunst? Musik? Spielst Du ein Instrument?

      Thomas.

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      1. Hey Thomas, danke für die Antwort!
        Ich studiere Englisch und WAT Lehramt. Der Beruf an sich ist wahnsinnig interessant und fordernd, das Studium dafür umso mehr zugepumpt mit Sachen, die ich eigentlich gar nicht brauch.
        Ich spiele seit ich 18 bin Gitarre, ohne Musikschule, einfach weil ich aus eigener Motivation heraus Lernen wollte. Des Weiteren (in Kombination mit der Gitarre) sing ich in unsrer kleinen Musikschulband. Und irgendwie ist es auch das, was mich glücklich macht. Aber du kennst das, wenn man das jemandem sagt heißt es „Damit verdient man doch nichts, das kann man doch nicht ewig machen, such dir was Ordentliches!“

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  5. Meinem jüngeren Sohn geht es ähnlich. Seine Leidenschaft war und wird für ewig das Schreiben sein. Das Universum hat ihm etliche Steine bis Felsblockgröße in den Weg gelegt, einige hätten ihn fast erschlagen. Er ist jetzt Mitte dreißig, verheiratet, hat zwei Kinder, studiert, arbeitet – und schreibt. Sein großer Traum ist es, ausschließlich als Autor arbeiten zu können. Aber diesen Traum lebt er in Zwischenzeiten. Zwischen Studium, Broterwerb, Familienleben. Von einigen Menschen muss er sich auch anhören, wie weit es doch andere Männer in seinem Alter schon gebracht hätten. Welche Positionen sie in der Wirtschaft besetzen und wieviel Geld sich auf ihren Konten häuft. Nun haben wir unseren Kindern eine große Portion Selbstbewusstsein und Selbstbestimmtheit auf ihren Weg zum Erwachsenwerden mitgegeben. Ich hoffe sehr, dass dieser Vorrat noch lange reicht, damit mein Sohn seinen Traum weiterleben kann. Und das wünsche ich dir auch!
    Gruß,
    Elvira

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  6. Höre nicht auf die anderen, höre nur auf dich selbst. Denn auf deinem Lebensweg musst du selber die Weichen stellen. Lass das niemand Anderen tun. Bleibe du selbst.
    Übrigens: auch wenn man älter wird, muss man nicht unbedingt älter werden.
    LG von Rosie

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    1. Danke. Und danke daß Du hier etwas mieliest.

      Ja, man muß nicht älter werden, aber ich glaube daß es einige Abnutzungserscheinungen gibt, innen, dort wo es wichtig ist. Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber es fällt schwerer zu vertrauen, schwerer zu träumen, …

      Aber, jetzt fällt mir gerade ein, Schamanen oder Druiden haben sich diese Fähigkeit bis ins hohe Alter erhalten, vielleicht sogar ausgebaut. Hm, darüber muß ich mal nachdenken. Danke für den Anstoß.

      Thomas.

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