Die Sprache ist ein …

IMG_20160823_163110.jpgDie Sprache ist ein armseliges Mittel um Gefühle mitzuteilen. Vor allem wenn sie nur aus einem Text besteht. Es geht so vieles verloren das wichtig ist und man kann fast nichts sagen.

Einerseits: Die Katze ist tot. Das war´s dann, oder? Die Arme, was ist denn passiert, naja, da mußt Du Dir eine Neue kaufen. Wieso weinst Du? Wirst Du denn nie erwachsen?

Andererseits: Mein Freund ist fort. Jemand den ich liebte ist nicht mehr.

Wieso sollen wir nur Menschen lieben? Wo kann Liebe halt machen? Kann Liebe denn irgendwo Halt machen?

Lieben wir nur Wesen die unserer Eitelkeit schmeicheln? Eine Frau die allen gefällt, Kinder die klüger sind als die anderen, Freunde die es im Leben zu etwas gebracht haben, Eltern die uns etwas vererben können.

Muß Liebe denn einen Nutzen haben?

Können wir auch jemanden lieben einfach nur weil er ist? Egal wieso? Einen Bettler, einen Freund der im Leben immer nur versagt, eine hässliche Frau, ein stummes Kind?

Oder eben ein Tier?

Wichtig ist doch nicht die Art des Liebens sondern wie sehr wir lieben, wie sehr wir fähig sind zu lieben. Und wie sehr wir geliebt werden.

Also: Mein Freund ist tot.

Über zehn Jahre meines Lebens war er an meiner Seite. Jeden Tag. Der erste der mich morgens begrüßte wenn ich über die Stiege ging, der erste an der Tür als ich nach Hause kam, der Letzte Abends vor dem schlafen. Er lag auf meinen Noten und schlief während ich arbeitete, und wenn er einsam war dann kroch er zwischen meine Gitarre und mich und saß dort während ich übte. Oder auf meinem Schoß wenn ich schrieb.

Aber warum bin ich so traurig? Warum fühle ich eine so tiefe Schuld?

Weil man sein Lieben verdrängen kann, aus Angst vor dem Tod, vor Krankheit, Siechtum und dem Ende. Und das habe ich getan. Und das ist meine Schuld. Nicht der gewesen zu sein der ich hätte sein können. Nicht der Freund den er verdient hätte.

Denn der Tod ist ein Thema über das ich kaum sprechen oder schreiben kann. Ich verdränge ihn und tu ihn ab als etwas das mich nicht persönlich betrifft, immer nur die anderen, immer nur in Büchern oder in den Nachrichten. Aber er erwartet jeden von uns, gleich da drüben steht er und beobachtet uns, jeden Tag, jeden Augenblick, und wartet auf uns.

Es gibt dazu ein Gedicht von S. Quasimodo.

Ein jeder steht allein auf dem Herzen der Erde / getroffen von einem Sonnenstrahl / und schon ist es Abend.

Ja, ein jeder von uns steht für sich auf dem Herzen der Erde. Ein jeder glaubt er ist die Nabe um den sich das Universum dreht. Und jeder hat eine Zeit in der er glänzt, in der er von der Sonne beschienen wird. Seine Heirat, sein neuer Job, sein neues Auto, die Geburt des ersten Kindes, des ersten Enkels.

Aber schon ist es Abend.

Viel zu früh.

Für jeden von uns.

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6 Gedanken zu “Die Sprache ist ein …”

  1. ja wenn man die Tiere im Jenseits wieder trifft, da werd ich auch von Schuld übermannt… aber vielleicht kann man dann mit ihnen sprechen und sich austauschen, ich hab einfach viel zu wenig gewußt… und deshalb bin ich schuldig geworden…

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    1. Hallo Laubfrosch. Danke daß Du mich an den Text erinnerst, und kommentiertst. Nur daß ich jetzt auch wieder an den Schmerz erinnert werde. Und an meinen kleinen Kater. Im täglichen Leben tu ich es ja weg, ich scherze manchesmal darüber, was für ein Saftsack er war, und so weiter, wie man eben so redet. Aber innen drinnen fehlt er mir noch immer.

      Und ja, ich hoffe für alle überzeugten Fleischfresser daß sie mit allen Tieren reden müssen (oder mehr) die sie sich reingestopft haben!

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    1. Hallo Andre.

      Ja, und nein …

      Musik ist auch eine Sprache, folgt Regeln und Gesetzen, bricht sie auch wie ein gutes Gedicht. Deshalb liebe ich klassische Musik so sehr, weil sie auf so viele Arten komplexer und reichhaltiger ist als alles was man heute so hört.

      Aber ja, sie geht in bestimmten Teilen weiter als die Sprache.

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