„Ich ging in …“

20161009_225310„Ich ging in die Wälder weil ich bewußt leben wollte.
Intensiv leben wollte ich und das Mark des Lebens in mich einsaugen.
Um alles fortzuwerfen daß nicht Leben war,
damit ich nicht in der Todesstunde gewahr würde daß ich nie gelebt hatte.“

Es ist schwer ein neues Leben in den alten Kleidern zu beginnen. Es ist schwer bewußt zu leben, intensiv zu leben wenn die alten Freunde an einem hängen und einen festzuhalten suchen.

Denn alle Menschen die uns kennen sehen nur den der wir einmal waren. Und nie den Menschen der man ist oder einmal sein könnte.

Ist es eigentlich schon einem von Euch aufgefallen daß es immer die alten Freunde sind die einen am Leben hindern? Ein Feind dürfte uns nicht halb so viel Schmerz zufügen ohne daß wir uns wehren. Kein Fremder dürfte uns so sehr am Leben hindern wie die Familie aus der wir kommen.

Unsere Freunde hindern uns stärker als  unsere Feinde.

Freunde sehen immer nur das was ist, sie kleben an uns und ziehen uns runter, erklären uns durch unsere Geschichte, durch das was war, haben ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen und halten uns im Alten fest.

Feinde zwingen uns dazu uns genau zu definieren, uns abzugrenzen, das Beste aus uns rauszuholen.

Freunde hingegen machen uns faul und dumpf.

Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht die Familie die wir uns ausgesucht haben, unsere Frau, oder unseren Mann, unsere Kinder oder, vielleicht, einen wirklichen Freund.

Die sind ein Teil unserer Seele.

Aber all die anderen. Freunde, Bekannte, sogenannte Weggefährten. Die halten uns fest, die wollen uns klein und unglücklich haben, klein und lieber tot als lebendig.

Ich merke wie ich mich häute und die alten Lasten wieder von mir abfallen. Und wie die Menschen wieder von mir abfallen. Wie ich sie von mir abschüttle.

Ist das nett? Ist das fair ihnen gegenüber? Tut man das? Darf man das?

Ich weiß nicht. Aber egal.

Vielleicht tut man das nicht, vielleicht bin ich ein schlechter Mensch so wie sie sagen. Aber ich höre eine Stimme in mir die mich weitertreibt und ich merke wie das Alte mich halten und zurückholen will.

Und deshalb muß ich wieder gehen. Egal was sie denken.

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8 Gedanken zu “„Ich ging in …“”

    1. Schön, Du kannst so tolle Artikel imme rverlinken. Aber das Thema ist sehr schwer für mich, ich weigere mich meistens hinzusehen. Und wenn ich dann damit konfrontiert bin, so wie vor einigen Monaten als mein geliebter Kater gestorben ist (ich glaube ich habe darüber geschrieben …), dann zieht es mir immer den Boden unter den Füßen weg. Wenn es plötzlich nicht mehr nur abstrakt ist sondern wenn es um den Tod in meiner Wirklichkeit geht. Respekt daß Du Dich damit beschäftigen kannst.

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      1. Ja, hattest du auch geschrieben, sehr berührend und sehr trefflich. Wobei es nicht immer nur um den Tod als etwas Negatives geht. Hier z.B. eher um den Tod als befreiendes Bild, den Tod des einlullenden, des alltäglichen, des abstumpfenden Teil im Leben. Und da eben auch du den Versuch wagst, den Blick in eine Richtung zu heben, in die der „normale“ Mensch eben vielleicht schnell einmal blickt um dann beschämt wieder zu Boden zu schauen, vielleicht aus Angst, vielleicht aus Gewohnheit, kam mir das alles sehr vertraut vor. Und ich hoffe und wünsche dir, dein Blick gewinnt immer mehr Stärke und Klarheit.

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