Eines Tages …

20161123_152631.jpgEines Tages werde ich tot sein.

Eines Tages wird jeder von uns tot sein.

Unsere Väter werden sterben. Unsere Mütter werden sterben. Unsere Brüder, unsere Schwestern, unsere Ehepartner. Alle die wir kennen und die wir jemals gesehen haben werden irgendwann in ihren Gräbern liegen.

Eines Tages werden wir sterben.

Eines Tages werde ich sterben.

Morgen, in fünf Jahren, in vierzig Jahren. Ich weiß nicht wann. Ich weiß nur daß es so kommen wird.

Und egal woran ich glaube, worauf ich hoffe, ich werde dann nicht mehr hier sein. Die Sonne wird weiter scheinen, der Wind wird wehen, die Vögel werden singen. Die Menschen werden weiter ihre Wege gehen.Lieben, leben. Aber ich werde nicht mehr da sein.

Und vorher.

Irgendwann werde ich alt sein.

Auf mein Leben zurückblicken und mich fragen ob ich je gelebt habe. Ob ich jemals wirklich gelebt habe.

Irgendwann werde ich alt und krank und gebrechlich sein. Und dann werde ich alles bereuen. Jede Zigarette, jeden Kaffee, jede sinnlose Minute im Internet oder im Einkaufszentrum. Jede Minute ohne Liebe, ohne Freude, ohne wirklichen Schmerz. Jede Minute die ich von meinem Weg abgekommen bin und sinnlos herumirrte. Alles was nicht mein Leben war.

Viele sagen man soll leben als hätte man nur noch einen Tag zu leben. Das ist leicht, sehr leicht. „Sterben ist leicht. Leben ist schwer.“

Aber dieser Spruch geht weiter. Vollständig heißt er: „Man soll leben als hätte man nur noch einen Tag zu leben, aber gleichzeitig so als würde man noch hundert Jahre auf der Welt sein.“

Mit der Energie und der Wut und der Liebe als wäre morgen alles vorbei.

Und mit der Nachsicht, der Hingabe, Weisheit und Weitsicht als hätte ich noch hundert Jahre Zeit.

Als müßte ich noch hundert Jahre in diesem Körper sein, noch hundert Jahre diese Luft atmen, dieses Wasser trinken. Noch hundert Jahre mit den Menschen zu tun haben die mich umgeben.

„Sterben ist leicht, leben ist schwer.“

Ja, vielleicht. Trotzdem habe ich Angst. Angst vor dem Tod. Und Angst vor dem Leben.

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11 Gedanken zu “Eines Tages …”

    1. Ja, das ist schwer. Ich denke mir am Ende können wir dann nicht mehr lügen, uns nicht mehr mit allen möglichen Spielen ablenken und unseren Geist und unsere Seele betäuben. Und da habe ich heute schon Angst wenn ich mir mein Leben so ansehe …
      Aber ich habe ja noch einige Zeit. Vielleicht kann man nur so ehrlich und aufrecht weitergehen wie es einem möglich ist.
      Ich weiß nicht wirklich …
      Thomas.

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  1. Sehr interessant, dass du das Zitat mit „Sterben ist leich, leben ist schwerer“ eingebracht hast. Wenn ich mir Gedanken über den Tod gemacht habe, kam gerade dieses Zitat auch häufig vor… 🙂

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    1. Woher kennst Du dieses Zitat? Ich habe es seltsamerweise aus einem ScienceFiction Roman, aber wie ein Mann mal sagte, „ich zitiere die Wahrheit wo immer ich sie finde“.
      Und wie geht es Dir damit? Kannst Du mit diesen Gedanken umgehen? Hast Du für Dich einen Weg gefunden?
      Thomas.

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      1. Das Zitat kenne ich noch aus dem Buch Biss zum Morgengrauen. Steht da gleich im Prolog. Ich habe schon vor langer Zeit angefangen mir Gedanken über den Tod zu machen und mir macht der Tod keine Angst. Es ist etwas, dass zum Leben dazugehört und er ist ganz natürlich. Ich habe da mehr so eine epikuristische Auffassung. Man sollte versuchen das Leben zu genießen ohne Furcht vor dem Tod zu haben. Denn wenn man den Tod erfährt hat man darauf eh keinen Einfluss mehr. Man kann es nicht ändern. Zudem haben die meisten Menschen nur so große Angst vor dem Tod, weil er etwas ungewisses ist. Für mich ist der Tod etwas, dass für jeden Menschen unausweichlich ist.

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      2. Das Buch kenne ich leider nicht.
        Vielleicht habe ich ja nicht nur Angst vor dem Tod sondern vor dem Leben. Ich habe da noch nicht genug darüber nachgedacht.
        Ich meine, Angst vor dem Todsein kann ich ja nicht haben, denn dann bin ich ja schon tot …
        Aber ich habe Angst vor der Zeit vorher, Stunden oder Tage oder Jahre. Wahrscheinlich ist es eher die Angst davor daß das Leben manchesmal so ungenützt vorbeiläuft, Angst vor der Zeit die ich im Nebel verbringe, ungelebt, ohne Fühlen oder Denken, Angst vor all den verpassten Chancen.
        Und daran erinnert mich der Tod.

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  2. Lieber Thomas,
    das ist ein sehr schöner Text. Philosophisch und poetisch. Aber man muss ihn auch wirklich bis zum Ende lesen, um nicht in Depression und Hoffnungslosigkeit zu fallen. Ja, Angst haben wir alle. Aber ich finde, sie darf uns nicht haben. Sonst verhindert sie tatsächlich, dass wir leben. Das wünsche ich Dir, und dieses Gefühl und diuese Einstellung, dsass Mut und Tapferkeit sich lohnen, möchte ich gern in Dir unterstützen.
    Herzliche Grüße und ein GUTES neues Jahr, Widmar

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    1. Hallo Widmar.
      Danke für das Kompliment, vor allem von Dir freut es mich sehr.
      Ja, Angst haben wir alle. Obwohl ich heute das Gefühl habe daß die meisten Menschen davor weglaufen und sich mit allen möglichen Dingen zudröhnen damit sie die Angst und die Realität nicht spüren müssen.
      Und manchesmal hat mich die Angst, ich glaube anders geht es nicht, wenn ich sie immer unter Kontrolle hätte dann wäre es nicht wirklich Angst sondern nur ein Spiel mit ihr.
      Aber Deine Worte daß Mut und Tapferkeit sich lohnen nehme ich sehr gerne an, sie berühren eine Seite in mir die ich gerne mag und ich freue mich daß Du mich daran erinnert hast.
      Dir auch ein gutes neues Jahr und alles Liebe,
      Thomas.

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  3. Lieber Thomas
    Jetzt hab‘ ich Deinen Bog wiedergefunden.
    Schöne Texte. Bist Du mir böse, wenn ich Dir sage, es sind therapeutische Texte? (Es ist natürlich meine „déformation professionelle“, die das sagt, ich kann sie nicht abschalten 😊).
    Die Selbstreflexion ist die Voraussetzung für jede Genesung und unerlässlich um in sich selbst ruhen zu können. Ich weiss wovon ich spreche: Meine Poesie und meine Chansons sind die Grundlagen für mein „Weiterleben“. Es sind Dialoge mit mir selbst. Vielleicht werden sie noch gelesen und gesungen, wenn ich nicht mehr da bin. Das Verlangen nach Unsterblichkeit? Wahrscheinlich.
    Auch wenn wir den Sinn des Lebens nie finden werden, dürfen wir nicht aufhören, nach ihm zu suchen.
    Liebe Grüße
    Jean

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    1. Hallo Gilbert.
      Natürlich bin ich nicht „böse“ wenn Du das sagst! Wieso auch, ich finde gute Therapeuten und eine gute Therapie gehören mit zu den besten Dingen die einem Menschen widerfahren können.
      Und diesen Wunsch nach Unsterblichkeit kenne ich. Es gibt so viel zu lesen, denken und spüren daß tausend Jahre nicht ausreichen würden. Und unser Leben ist so kurz und es gibt immer den Widerstreit in einem zwischen Kunst / Wissen / Lernen und dem was man allgemein als Leben annimmt, also die Dinge die Spaß machen usw. Natürlich kann man beides größtmöglich angleichen, aber es bleibt trotzdem eine Diskrepanz zwischen, altmodisch gesagt, Geist und Seele. Und wenn man länger leben würde oder unsterblich wäre dann hätte man vielleicht genug Zeit.
      Ich weiß es nicht.
      Jedenfalls vielen Dank für Deine Worte.

      Thomas.

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      1. Danke für Deine Antwort. Wie Du in meinen Seiten sicher gelesen hast, stamme ich aus dem Berufsbereich Schmerzmedizin und Psychotherapie. Ist manchmal sehr hilfreich bei der Eigentherapie😎
        Eines nur noch: Ich heiße „Jean“ mit Vornamen. Das ist Johann oder Hans auf französisch. Gilbertz mit z ist mein Familiennamen.

        Liebe Grüße
        Jean

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