Ich vermisse …

davIch vermisse meine Träume.

Oh ja, ich habe noch Wünsche. Und Ziele. Und Vorstellungen davon wie mein Leben aussehen soll.

Aber ich vermisse meine Träume. Und zwar alle. Die in der Nacht, im Schlaf, und die Träume wenn ich wach bin. Und die Verschmelzung der beiden. Das Träumen im Leben.

Vielleicht sind sie verschwunden weil ich mich an die Welt verloren habe. Weil ich nicht mehr der Welt im mir gelauscht habe. Sondern all den Stimmen da draußen.

„Werd vernünftig!“

„Werd erwachsen!“

„Spinnst Du?“

„Was soll das denn?“

„Du mußt Geld verdienen!“

 

Jeder der zu träumen versucht kennt das. Die Welt schüttet einen zu. Mit allem was sie kann.

 

Es ist verrückt wenn man träumt, die Wolken beobachtet, am Strand sitzt und wartet, auf das Rauschen der Blätter hört, der Wind. Oder einen Bussard ruft. Und auf die Antwort lauscht.

Aber es ist nicht verrückt wenn man vor dem Fernseher sitzt, sich seelenlose Dinge kauft, sich mit lauter Musik zudröhnt,  sinnlose Phrasen von sich gibt und sein Leben in der Menge verschleudert.

 

Und ich habe es versucht.

Ich wollte nicht mehr verrückt sein. Ich wollte daß es auch um mich wieder warm wird. Daß auch ich wieder etwas wert bin. Und nicht mehr nur der über den man lächelt, den Kopf schüttelt oder böse Worte sagt.

 

Aber ich habe meine Träume verloren.

Oder fast verloren.

Ich war auf dem Weg dazu.

 

Aber wieso? Und wozu? Für ein wenig Wärme von Menschen die kein Herz haben, die nicht hören und sehen? Die nichts wissen von Musik, Dichtung, vom Rauschen des Waldes, vom Geruch des warmen Holzes, von Stunden auf einem nackten Stein. Von dem Rausch und der Hingabe an die Dichter, an die Musik, an die Welt in uns.

Die nicht lieben können weil sie sich selbst nicht lieben.

Die nicht hören können weil sie ihre Seele nicht hören.

Die nichts sehen als ihr eigenes kleines verlorenes Leben in der traurigen Menge.

 

Nein.

Lieber werde ich verlacht. Oder verspottet. Aber meine Träume sind in ihren dunkelsten Momenten größer und schöner als alles was sie jemals sehen werden. Als alles was sie sich nur vorstellen können.

Sollen sie doch lachen.

Sollen sie doch ihr Leben verschleudern.

 

Aber ich will wieder träumen.

 

 

 

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8 Gedanken zu “Ich vermisse …”

  1. Lieber Thomas,

    wahrhaft ist jeder Wunsch ein Traum, in dem man innerlich besitzt, wonach man sich im Moment des scheinbaren Nichthabens sehnt. Die gewöhnlichen Träume hast du alle geträumt. Jetzt sehnst du dich nach dem Traum, denn vor dir noch keiner geträumt hat. Wahrscheinlich bist du an einem Punkt in deinem Leben angekommen, bis zu dem kein Mensch aus deinem Umfeld zuvor kam. Denn du bist nach Innen gegangen, während der Mensch in der herkömmlichen Welt lediglich darauf geeicht wird, sich an den äußeren Dingen zu orientieren.

    In dir bist du allein. Da gibt es keinerlei bekannte Orientierungsmöglichkeit, nur deine intimsten Gedanken und Gefühle sowie all jene Bilder, die sich daraus erheben. Nicht einmal ein Traumlexikon kann dir hier noch weiterhelfen, denn dieses ist, genau wie jedes andere Lexikon, lediglich das Ergebnis einer Einigung von Vielen, etwas in seiner vereinzelten Bedeutung derart anzunehmen, wie es in dem Buch geschrieben steht. (Dankeschön, dass deine Fragen, diesen Satz aus mir heraus gekitzelt haben.) Eventuell träumst du ja und merkst es nur nicht, weil es keine bekannten Anhaltspunkte mehr gibt.

    Nun wird mir gerade eben bewusst, dass das Unbekannte mittels Träumen nach uns sucht, weil es wahrgenommen und verwirklicht werden will. Es sucht die Träumer, welche über das Bekannte hinaus träumen. Nichts verbessern oder neu erfinden wollen, sondern nach jenem greifen, was nicht allgemein denk- und träumbar erscheint. Da wir nicht wissen, wo sich diese Unbekannte in diesem Moment aufhält, nützt es auch nichts, diesem entgegen zu eilen. Dennoch wird man ihm keinesfalls entkommen.

    Wie du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung fühlbar weißt, taucht alles Ungewöhnliche stets dann in uns und auch in unserem Leben auf, wenn wir nicht mehr danach suchen, uns darauf zuarbeiten oder sonstwie danach greifen wollen. Es genügt das Unbekannte einzuladen, dann kommt es, oft schneller als geglaubt. Ungeduldige Einladungen erreichen es allerdings nicht.

    Und ich erinnere mich, wenn es passiert, dann stets in jenen Momenten, in denen wir in uns erwartungslos sind, vielleicht sogar zufrieden und glücklich mit dem, was ist. Zum Beispiel mit all der Fülle an Möglichkeiten, die dir in diesem Moment zur Verfügung stehen, weil du dir selbst den Weg nach innen geebnet hast. Und da das Innere weder eine begrenzte Tiefe noch Weite hat, kann es zum Beispiel in deinem Leben, niemals mehr wirklich langweilig werden, es sei denn du willst es. Ein Traum, denn du dir bereits selbst erfüllt hast, und deshalb auch nicht weiter träumen brauchst. Hier nehmen die Gedanken für mich eine überraschende Wendung.

    Mir ist nun klar, dass da im Moment keine Träume sind, weil ich noch gar nicht allumfassend realisiert habe, wie viele Träume in meinem Leben schon wahr geworden sind. Das räumt auf und lockt Neues herein.

    Dankeschön für deine Fragen und das traumhafte Thema. 🙂

    Freudvolle Grüße * Luxus

    PS: Entschuldige bitte, dass der Kommentar etwas länger ausfiel. Es ließ sich nicht auf die Kürze ein.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Luxus und herzlichen Dank für Deine Worte. Es ist schön mit Menschen zu sprechen (auf die eine oder andere Art) die einen verstehen und die einem die Gedanken wieder etwas freier machen.

      Und es stimmt, ich habe es mir noch nie so bewußt gemacht, aber es stimmt: In Dir bist Du allein.

      Und der Satz ist so wunderschön, findest Du nicht? Und danke dafür. Und dieser Satz schmerzt auch so sehr. Und gerade deshalb ist er für mich so schön.

      In Dir bist Du allein.

      Ja, das stimmt. In uns sind wir alle allein. Nur fast keiner traut sich das zu wissen. Und zu leben. In aller Klarheit und mit allen Kosequenzen.

      Die Nacht ist kalt da draußen, nicht? Und nirgends ein Feuer das uns wärmt, außer das das in uns brennen könnte.

      Thomas.

      Gefällt 2 Personen

  2. Jeder hat es ja gewußt
    jeder hat es ja geahnt
    dass mit dir etwas nicht stimmt – egal
    lass sie nur reden

    Wenn du etwas anders bist
    als der ganze lahme Rest
    wird die Stadt langsam nervös – egal
    lass sie nur reden

    So beginnt ein Lied von Rosenstolz. Und ja, lass sie nur reden!

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      1. Nun, dieses nervös steht in einem anderen Kontext. Aber Menschen, die anders sind, nicht der von der Gesellschaft bestimmten Normen entsprechen, irritieren. Dabei ist es egal um welche „Abweichung “ es sich handelt. Als ich vor vielen Jahren an Depressionen litt, war das sehr deutlich zu spüren.

        Gefällt 1 Person

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