Wir sind eine …

20161011_135315.jpgWir sind eine immer wache Welt geworden.

Vielleicht verschwinden auch deshalb unsere Träume.

Es gibt keine Nacht mehr. Immerfort und überall ist Licht, Lärm, die Menschen arbeiten von früh bis spät, aus allen Fenstern flimmert und dröhnt es und ich muß weit gehen bis ich wieder Sterne sehe.

 

Die Dichter wurden immer verlacht weil sie über das Tempo der neuen Welt geschimpft haben. Schon vor hundert Jahren. Aber hatten sie nicht Recht?

Ist die Welt denn nicht zu schnell für unsere Seelen geworden?

 

Immer wenn ich von einem Ort zum anderen rase habe ich das Gefühl als wäre ich nicht vollständig angekommen. Als wäre ein Teil meiner Seele irgendwo unterwegs verloren gegangen.

 

Und es ist uns die Nacht verloren gegangen.

Der Mond, die Sterne, die Ruhe, die Dunkelheit.

Das Geheimnis.

 

Könnte es heute noch ein Gedicht geben wie Hölderlins Nacht?

Mit Zeilen wie:

Rings um ruhet die Stadt. Still wird die erleuchtete Gasse, …

 

Und, mit die schönsten Strophen der deutschen Literatur:

Jetzt auch kommet ein Wehn und regt die Gipfel des Hains auf,

Sieh! und das Ebenbild unserer Erde, der Mond,

Kommet geheim nun auch, die schwärmerische, die Nacht kommt,

Voll mit Sternen, und wohl wenig bekümmert um uns

Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen

Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.

 

Könnte das heute noch jemand schreiben? Fühlen und dann in ein Gedicht bannen?

Ich glaube nein.

Denn wir sind immer erreichbar, kennen keine Pause mehr, kein Nachlassen. Uns ist der Schlaf keine Heimat mehr, nur eine lästige Pause zwischen dem Heute und Morgen.

 

Und so haben wir keine Zeit mehr zu träumen.

 

Und  wenn wir träumen dann gehören uns die Träume nicht mehr.

Alles in uns ist voll mit Bildern aus dem Netz, aus dem Fernsehen oder der Zeitung. Wer träumt schon noch von Wolken? Von Elfen oder Musik? Wer träumt Farben und Gefühle?

Ich bin kein Maschinenstürmer. Auch ich brauche das Netz und alles was dazugehört.
Aber ich merke was alles verloren gegangen ist. Alles was fehlt.

Unsere Träume.

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11 Gedanken zu “Wir sind eine …”

  1. Oh ich denke das ist auch unsere Entscheidung, also auch, natürlich spielt das außen nicht immer mit, aber hier ist durchaus noch manchmal diese Nacht

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    1. Ja? Also man kann sich sicher alles so herrichten daß man ab und an eine ruhige und besinnliche Nacht hat, aber was ich meinte war daß uns die Zeit in der wir leben so sehr beeinflusst daß wir uns nicht mehr wirklich dafür entscheiden können das oder so zu leben.

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      1. mmmh und ich meine, doch das geht manchmal… und ich glaube es gibt Menschen die diese Nächte auch nicht immer schön finden… kommt alles sehr drauf an wo man ist und wie, denk ich, hat aufjedenfall viel mit im Jetzt sein zu tun.. wie du das auch schon angedeutet hast mit der Seele die manchmal nicht hinterher kommt… das Gefühl kenne ich auch, Lg

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  2. Du schreibst wirklich gute Beiträge, sie regen sehr zum Nachdenken an, dafür herzlichen Dank!

    So allmählich habe ich deine ganzen Texte gelesen, weshalb ich ich auf einige Beiträge verspätet reagiere.

    Nun zur“,Immer wachen Nacht“
    Was immer mehr verloren geht, sind Rhythmus und Rituale, was wiederum Familien auseinander treibt, weil jeder seinen Interessen nachgeht,jeder zu seiner Zeit!
    Hinzu kommt, dass der Mensch verplant ist/wird, von Termin zu Termin hetzt, und das bisschen Zeit am Abend (sofern welche bleibt)… gerne für sich hat.

    Alle an einen Tisch bekommen, ohne Handy, dem anderen zuhören können usw…
    Heute eine nicht leichte Aufgabe, wenn nicht mindestens einer dran bleibt und feste Zusammenkünfte pflegt, gehen sie schnell verloren!

    Schlafmangel führt zu vielen Beschwerden, (war früher nicht umsonst eine Foltermethode) Konzentrationsunfähigkeit, … eingeschränkte Sinne uvm.
    Alleine diese Tatsache führt schon zu u.U massiven Auswirkungen im Alltag!

    Es wird immer schwieriger „Zeit “ frei zu schaufeln, man muss lernen, sie sich einfach zu nehmen, gleichzeitig lernen, mit dem Unbehagen anderer zu leben, weil man nicht mehr permanent erreichbar ist.

    Schlafmangel kann ja sehr unterschiedliche Gründe haben und auf unseren aktuellen Zeitgeist bezogen, kann das menschliche Hirn diese Dichte an Informationen gar nicht verarbeiten (im Schlaf verarbeiten wir Geschehnisse vom Tag). Es bleiben folglich unverarbeitete Informationen hängen, was auf Dauer entsprechende Auswirkungen haben wird…ein Teufelskreis!

    Es gibt natürlich auch andere Gründe, warum jemand Schlafprobleme hat!

    Ja, ich stimme dem zu, daß es Nachtruhe, im eigentlichen Sinne, nur noch schwer zu finden gibt! Fängt in den eigenen Reihen an, wenn Menschen auf engem Raum leben müssen, zum Beispiel.

    Der Körper lernt nicht mehr abzuschalten, weil es Dunkelheit kaum noch gibt, (überall permanente Beleuchtung)
    Folglich schaltet der Körper nicht mehr auf Nachtmodus um.

    Was auch schon immer schwierig war, ist der festgelegte Rhythmus, welcher auch nicht jedem gleich gut tut.

    Jeder hat eine Art innere Uhr und wer ständig gegen diese leben muss, wird auf Dauer auch unter Auswirkungen leiden.

    Ein Thema, was viel mehr Beachtung braucht!

    Schönen Sonntag noch!

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    1. Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Und herzlichen Dank daß Du alle meine Texte liest!

      Ja, es ist sicher schwierig mit allen zusammen zu kommen. Auch weil durch den Streß und die schnelle Zeit die Menschen kaum noch Interesse daran haben. Alle gucken lieber in den Fernseher oder auf das Smartphone.

      Und das mit dem Schlafrythmus ist sicher schwierig. Wahrscheinlich hat das wirklich mit dem Licht zu tun. Ich kann mich an eine Nacht in meiner Jugend erinner, ich war mit meinem Cousin mit dem Rad auf der Heimfahrt als uns die Nacht überraschte. Und plötzlich war es stockdunkel. Und damit meine ich wirklich stockdunkel. Es war bewölkt und wir sahen nicht einmal mehr die Hand vor den Augen. Stockfinster. Wir stolperten dann durch den Wald und mit den Füßen tasteten wir die Ränder des Weges ab bis wir auf die Straße kamen und dann durch das Geräusch der klatschenden Schuhe den Weg fanden.

      Ich glaube solche Dunkelheit gibt es heute gar nicht mehr. Jedenfalls nicht in unserer westlichen Welt.

      Thomas.

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