In einer unendlich …

20170321_143218.jpgIn einer unendlich großen Bibliothek,

mit unendlich vielen Büchern,

mit allen nur möglichen Kombinationen an Buchstaben.

 

Dort wäre auch ein Buch mit unserer Geschichte.

Der vergangenen und der zukünftigen.

 

Und nicht nur das, dort wären auch die Bücher mit den Geschichten über all unsere verpassten Möglichkeiten. Alle Geschichten über unser gelungenes Leben. All das Lachen und Weinen das wir nie erleben durften. All die Liebe die wir nie gesehen haben.

Die Antworten auf die Frage was wäre geschehen wenn ich damals anders entschieden hätte. Was wäre geschehen wenn ich diesen Menschen geliebt hätte? Oder wenn ich diese Straße gewählt hätte? Oder diesen Traum gelebt?

Was wäre geschehen wenn mich meine Eltern wirklich geliebt hätten? Oder wenn nur ein Freund an meiner Seite geblieben wäre?

Oder was wäre geschehen wenn ich, einmal nur, ehrlich zu mir ja gesagt hätte anstatt mich immer für die anderen zu verbiegen.

 

Und was mich daran wirklich verrückt macht ist wie nah die Bücher und Geschichten beieinander stehen.

Das Buch mit der Geschichte wenn ich niemals eine Gitarre in die Hand genommen hätte.

Das Buch mit der Geschichte wenn die Welt mich nie verletzt hätte.

Oder die Geschichte wenn ich mich nicht mein Leben lang hinter Mauern aus Schmerz und Leid verkrochen hätte.

 

Und noch näher.

Was wenn ich mich heute nicht besaufe?

Was wenn ich heute bei jemanden spüren würde daß ich ihn liebe?

Was wenn ich heute einmal wirklich zuhöre anstatt immer nur darauf zu warten daß ich reden kann?

All die kleinen Abzweigungen die unser Leben verändern könnten.

 

Und noch mehr.

Wie nahe sind die Geschichten die wir noch schreiben könnten?

Wenn wir morgen nicht so leben würden wie gestern. Wenn wir uns einmal wirklich entscheiden würden eine neue zu beginnen? Eine die wir uns selbst erträumen?

 

Wie traurig wird es einmal sein, dann, wenn wir tot sind. Wenn wir unser Buch zur Hand nehmen und darin blättern. Und sehen was wir alles nicht gewesen sind.

Welches Leben wir hätten leben können wenn wir den Stift selbst in die Hand genommen hätten und es gewagt hätten unsere eigene Geschichte zu schreiben. Mit unserer eigenen Kombination an Buchstaben für die wir uns immer hätten entscheiden können solange noch Blut in unseren Adern fließt.

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6 Gedanken zu “In einer unendlich …”

  1. Ich bin erst 26 Jahre alt, aber habe all das schon hinter mir. Habe meine Familie mit 18 verlassen, weil es nicht passte. Weil es nicht ICH war, die da herangewachsen ist, sondern nur ein weiterer, unpersönlicher Mensch, der zu viel Wert auf die Gesellschaft und die Meinungen anderer legt, auf inhaltlosen Luxus und Status. Ich bin stolz auf mich, ich habe es wirklich getan. Habe alles und jeden zurückgelassen, meine Familie, Freunde, sogar meine Heimatstadt. Es war schwierig und lange Zeit lebte ich mit Depressionen. Nur langsam heilt alles und doch denke ich jeden Tag daran, dass es verdammt nochmal die richtige und beste Entscheidung meines Lebens war. Für mich, meine Seele und meine Leidenschaft zum Schreiben. Ich fühle mich zum ersten Mal, seit ich denken kann, wirklich frei. Und jeden Tag kann ich ein bisschen mehr lächeln. Es fühlt sich richtig an. Ich fühle mich in mir selbst Zuhause. Ich verstehe mich wieder mit mir und meinen Dämonen, wir leben friedlich zusammen.
    Mach weiter! Mach weiter, denn es lohnt sich. Auch wenn ich erst am Anfang stehe, kann ich das mit Garantie sagen. Immer weiter weiter weiter!

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    1. Hallo L.d.

      Das ist aber einmal eine schöne Geschichte. Mein Glückwunsch dazu. Hast Du keinen Kontakt mehr zu Deiner Familie oder nur mehr den der Dir gut tut?

      Und ich habe das selbe gemacht, damals, ich bin auch so früh ausgezogen und hab mir mein Leben gerichtet, aber manchesmal biegt man auch als Erwachsener falsch ab und das Leben holt einen ein!

      Thomas.

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      1. Stimmt, aber das Wichtigste ist, immer weiter zu gehen und einen neuen Weg zu suchen. Und nein, es besteht praktisch kein Kontakt mehr, nicht mal Anrufe zu Geburts- oder Feiertagen und auch keine Pflichtbesuche, wofür mich viele Menschen lustigerweise beneiden. Ich sehe es eher als Notwendigkeit, aber es ist auch ein Stück weit Freiheit, natürlich 🙂

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      2. Ja, das stimmt. Das Wichtigste ist immer weiter zu gehen. Die meisten Menschen entwickeln sich ja nur bis etwa sechszehn und dann bleiben sie so bis zum Tod. In etwa, vielleicht etwas überspitzt, aber es kommt so hin.

        Und das mit dem Neid kenne ich. Ich frage mich auch wieso sich alle Menschen so viele Freunde und so viel Familie antun. Aus einem inneren Gefühl heraus kann es ja nicht sein wenn ich sie mir so anschaue!

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  2. Zum Entfliehen: Die geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz, Ralf Isau

    Zum Reflektieren: Nichts: was im Leben wichtig ist, Janne Teller

    Und ja, beides Kinderbücher…

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