Viele Menschen …

20161208_124349.jpgViele Menschen haben mir geschrieben, haben mir Mut gemacht, wollten mein Erlebnis mit mir teilen oder es mir wegerklären.

 

Was aber wenn wirklich der Tod an mein Bett getreten ist? Um mich daran zu erinnern daß er auf mich wartet? Nicht als Feind, nicht als Freund. Sondern nur um mir zu sagen daß er da draußen vor dem Fenster steht, seit meiner Geburt, mich beobachtet und auf mich wartet.

 

Und was wenn er mich wirklich holen wollte? Und es sich im letzten Augenblick noch einmal überlegt hat um mir noch eine, eine einzige Chance zu geben?

 

Warum sollte ich vor dieser Wahrheit davonlaufen? Ist sie nicht genauso schön wie alle anderen?

Vielleicht wollte er sagen: „Ich hole Dich. Eines Tages. Ich komme in Dein Zimmer, setze mich auf Deine Brust und warte bis Du stirbst. Und dann nehme ich Dich mit.“

 

Unheimlich? Traurig? Beängstigend?

Ja.

 

Aber es ist die Wahrheit. Irgendwann kommt er. Und dann sterbe ich. Jeder von uns.

 

Was werde ich dann denken, in der Sekunde des Todes?

Wenn ich jetzt sterben würde, worüber würde ich am meisten weinen? Was wäre mein größter Schmerz?

 

Ich weiß es nicht.

 

Aber vielleicht sterbe ich morgen. Und hätte heute die Möglichkeit gehabt mich von allen zu verabschieden die ich liebe.

Vielleicht sterbe ich im nächsten Monat und hätte noch ein Kind retten können. Oder einen Menschen glücklich.

Vielleicht sterbe ich auch in vierzig Jahren. Und könnte noch etwas aus meinem Leben machen.

 

Ich weiß es nicht.

 

Aber was wäre der größte Schmerz? Was wäre das was mir am meisten weh tun würde?

 

Mein versäumtes Leben.

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17 Gedanken zu “Viele Menschen …”

  1. Jedes Leben ist erfüllt und jedes Leben ist versäumt. Täglich stehen wir vor kleinen und großen Scheidewegen und schlagen diese oder jene Richtung ein. Diese Entscheidungen flechten den Weg unseres Lebens. Vor welcher Entscheidung stehe ich morgen? Ich weiß es nicht, ich erfreue mich am heute.

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    1. Hm, ich weiß nicht. Vielleicht ist jedes Leben von einer höheren Warte aus erfüllt. Oder versäumt.

      Aber ich habe gerade wieder etwas über die Industriealisierung in England gelesen. Ich bin durch Dickens wieder daran erinnert worden. Und ich habe auch Photos gesehen von siebenjährigen Kindern die dort gearbeitet haben, jeden Tag von früh bis spät. Und ich habe versucht mir so ein Leben vorzustellen, die Hoffnungslosigkeit, den Schmerz, aber auch wie man sich fühlt wenn man nichts anderes kennt.

      Ich glaube nicht daß solch ein Leben erfüllt ist.

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    1. Ja, ich jetzt auch!

      Aber was schlimmer ist sind die vielen kleinen Tode, kennst Du die auch? Wenn Du Dinge tust die Du nicht tun willst, wenn Du Wege gehst die nicht Deine sind, immer wenn Deine Seele ein klein wenig zuckt weil Du schon wieder weg bist von ihr.

      Also so gesehen sterbe ich jeden Tag mehrmals.

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    1. Ja, das ist schön. Und auch nicht. Wenn man daran denkt an wie vielen Tagen man eigentlich nicht lebt sondern nur dahinvegetiert anstatt richtig zu leben.

      Naja, ich glaube mein Glas ist immer zu einem Zehntel leer …

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  2. Ich frage mich oft, wer um mich weinen würde… ;( Ich schätze, dass Du Dich fragst, worum Du weinen würdest, ist der beste Beweis für einen noch langen Weg, der vor Dir liegt. Du bist ein Suchender, und die sterben nur schwerlich. Danke, dass ich Dich heute entdecken durfte. In Deinen Zeilen fühle ich mich oft weniger allein.

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    1. Das freut mich daß Du etwas gefunden hast daß Deine Einsamkeit ein wenig vertreibt.

      Und ich frage mich auch oft wer um mich weinen würde. Viele sind es nicht, aber wer weiß das schon.

      Und ja, ich habe sicher noch einen langen Weg vor mir. Wie weit ich komme weiß ich nicht, das liegt dann nicht mehr in meiner Hand.

      Und, P.s., Dein Blog ist nicht mehr erreichbar?

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      1. Doch bluesbelrinreloaded.wordpress.com. Bitte lies und schreib – nicht nur egoistisch mich, sondern im Allgemeinen. Du weißt vielleicht, wie das in der Unenedlichen Geschichte war, als das Nichts sich ausbreitete, weil die Kinder nicht mehr lasen?! XO

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      2. Ja, ich kenne das, nur habe ich es vergessen.

        Wie war das? Das Nichts hat sich ausgebreitet und alles verschlungen weil die Kinder nicht mehr lasen und mit ihrem Geist die Geschichten und Figuren am Leben erhielten?

        Das ist ein schönes Bild. Ein schreckliches Bild, aber schön gemalt von M. Ende.

        Muß ich genauer darüber nachdenken, aber Deine Worte sind schrecklich wahr!

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