Es ist so einfach …

20160927_114746.jpgEs ist so leicht darüber zu schreiben daß man sich verändern will.

Kluge Phrasen und große Ankündigungen rauszuwerfen ist so einfach wie falsche Perlen auf eine Schnur zu fädeln und sie dann glänzen zu lassen.

 

Aber sich wirklich zu ändern, sein Leben neu aufzubauen, nicht nur oberflächlich, ist ein verdammt hartes Stück Arbeit.

Es ist so als wollte man sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen.

 

Und es ist etwas das ich fast nicht schaffe.

 

Ich habe es die ganzen letzten Wochen nicht geschafft mit dem Fasten zu beginnen. Die ganzen letzten Jahre.

Weil immer etwas dazwischenkommt. Ein Drama nach dem anderen.

Aber in Wirklichkeit nur weil es so verdammt schwer ist und ich Angst davor habe.

 

Sich Schritt für Schritt zu ändern ist einfach nicht möglich. Man kann sich nicht langsam aus dem Sumpf ziehen. Der Sumpf ist einfach stärker und für jede Handbreit die man sich rauszieht zieht er einem zwei zurück.

Man hört mit dem Rauchen auf, dafür ißt man mehr. Man ißt weniger, dafür sieht man mehr fern. Man versucht weniger zu fernsehen, dafür ist man mehr im Netz unterwegs.

Und so weiter, immer im Kreis.

Und am Ende des Tages ist man noch tiefer drin als zuvor.

 

Man kann sich nur mit einem Ruck befreien.

 

Ich mache das gerade.

Es heißt nicht daß ich in den Wald ziehe und alles hinter mir lasse.

Aber es heißt so zu leben wie es für mich richtig ist.

 

Versuchen so zu leben wie ich es mir vorstelle.

Das Leben so zu leben wie ich es für mich richtig finde.

 

Und ich drehe durch dabei.

Ich weiß nichts mehr mit mir anzufangen. Ich weiß nicht wohin mit mir, mit meinen Gedanken und Gefühlen. Ich laufe überall an, verletze mich, schlafe nicht mehr, bin unruhig und fahrig den ganzen Tag.

 

So ist das also wenn alle Stützen wegfallen. Wenn man versucht ohne Krücken zu stehen.

 

Versucht es nicht.

Es ist kalt.

Es ist häßlich und grausam.

Und schmutzig.

 

Aber ich muß lächeln.

Und ich bekomme endlich wieder Luft.

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24 Gedanken zu “Es ist so einfach …”

  1. Hab Geduld mit dir, auch wenn du denkst, keine Zeit zu haben. Es heißt, Heilung braucht ein Monat für jedes Jahr, dass du krank warst. Du machst offenbar einen radikalen Schritt und wirfst alle Stützen weg. Alles, was dich hält, ist jetzt weg. Ich wünsche dir, dass du dich und deinen Weg findest. Aber verlange trotzdem nicht das Unmögliche von dir.

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  2. Ach Thomas ,ganz selten will ich jemanden so drücken, wie ich gedrückt werden will. Ganz selten nur. Heute ist einer dieser Momente, in denen ich Dich gern hielte. Ich vergleiche uns beide wieder mit Hunden, und weiß, Du trägst es mir nicht nach. Du nicht.
    Ich liebte meinen Gebrauchten, er kam mit Geschichte, hatte viele Vorbesitzer zerschlissen, und erzählte mir seine Geschichte Stück für Stück. Das gute an so einem Hund ist, dass jeder Tag wieder ein neuer Tag ist. Ein neuer Tag, eine neue Chance, keine Reue. Du wirst schaffen, was auch immer Du Dir vornimmst, und Du darfst dabei von Dir nicht mehr erwarten, als ich von dem Vierbeiner, de ich aus dem Tierheim holte. Die Vergangenheit wiegt schwer, weil Narben nun einmal Narben sind, aber das heißt nicht, dass nicht irgendwann wieder Fell über die kahlen Stellen wächst, und sie verbirgt.
    Du kämpfst, und Du bist nicht allein. Ich bin hier, ich rauche, obwohl mir die Lunge und das Herz weh tun, und ich verurteile Dich nicht. Ich will Dir sagen – Du kannst alles, aber eben nicht alles sofort.
    Du kämpfst, mit Dir und gegen die Welt gleichsam. Genieße sie, diese Berührungen des Lebens, die Streicheltherapie der Tiere, und heule des Nachts den Mond an, wenn alles sich in Dir wandelt.
    Ich bin da.
    Maria

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  3. Du bekommst wieder Luft. Wie schön zu lesen. Es ist zuerst furchtbar, ganz auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. Ja, man hat eine Weile das Gefühl, den Verstand zu verlieren, die Gedanken torpedieren sich gegenseitig. Danach kommt Klarheit und Reinheit.
    Ich weiß das von meinem Lieblingsschwager, der in ähnlicher Grundposition wie du für einige Wochen mit einem Zelt und einem Buch in die schwedischen Wälder zog. Das war vor über 30 Jahren. Er ist seither ein glücklicher Mensch.

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    1. Ja, für ein paar Wochen in Schweden in den Wäldern wäre sicher schön.

      Ich frage mich ob solche Erlebnisse anhalten? Und wie die Menschen es schaffen die Dinge in ihr Leben zu integrieren und neu zu leben?

      Wahrscheinlich ist so eine Reise nur ein Teil einer Reise. Dann verstehe ich es auch.

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      1. Er war ein Zerrissener und hatte einen großen Verlust erlitten durch eine falsche Entscheidung. Für ihn bedeutete es fast die Entscheidung für den Tod, doch er gesundete an Körper und Seele, führte danach ein völlig andres Leben, weg von Sängerkarriere, Beendigung des Studiums, körperlich anstrengende handwerkliche Arbeiten. Er begann bewusst ein einfaches Leben zu führen, hat heute mit seiner Familie einen Bauernhof auf Bornholm und ist ein in sich ruhender, zufriedener Mensch.

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  4. Sometimes the hardest place to find ourselves is when we are lost within ourselves. But u ended it beautifully : „But I must smile. And I finally get air again.“
    I hope I understand the translation correctly so my comment might make sense. As always I enjoy your writings😊

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  5. Weißt Du… Mmh, lass mich beginnen mit: entschuldige, dass ich Deine Seite zumülle.

    Weißt Du, das Saiteninstrument von Deinem Bild sieht aus, wie ein ziemlich hoffnungsloser Fall. Ich hatte Mal diese Gitarre, die mit mir zusammen die Treppe runter fiel, die sah ganz ähnlich aus. Ein alter Antiquar in meiner Stadt kannte jemanden, der sie reparierte. Sie sah wieder fast aus, wie neu, aber sie klang nie wieder, niemals mehr, wie früher.

    Mit einem Freund fuhr ich oft in Ruinen und Abbruchhäuser. Wir bauten Sachen aus, und gaben den Dingen ein neues zu Hause. So wurde aus einer alten Lampe, eine Salatshcüssel, aus einer Säule, ein Iphonedoc. Das Saiteninstrument aus Deinem Bild könnte ein Tisch werden wollen, eine Lampe oder eine Sofalehne – nur, weil man Mal die Stimme verliert, endet nicht das Leben. Jede neue Aufgabe kann gleich wertvoll sein. Das Saiteninstrument könnte als Staffelei dem Schmerz über den Verlust der Töne in Farben Ausdruck verleihen.

    Du kannst das auch! Ich glaube an Dich!

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    1. Das ist schön, danke. So habe ich das noch gar nie gesehen.

      Aber es macht Angst. Kennst Du das? Wenn Du einem Ding eine neue Rolle zuweist. Egal ob einem Gegenstand oder einer Person.

      Aber ja, ich kann das auch. Aber will ich das? Oder will ich nur das was einmal war, nur besser und neuer?

      Muß ich darüber nachdenken…

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      1. Du hast mich gerade tief im Inneren getroffen. Nicht negativ, sondern tief berührt.

        Klinge ich manchmal wie ein kleines Kind? Das haben will was es nicht hat? Das zurückhaben will was es gar nicht mehr gibt?

        Vielleicht. Ich weiß jetzt nicht.

        Und das geht noch tiefer. Was ist mir passiert, ganz früher, was geht mir sonst noch alles ab.

        Und warum alles zurückhaben? Das hatte ich schon einmal. Wieso nicht nach vorne gehen?

        Ich muß darüber nachdenken, tut mir leid …

        Und danke für den Kommentar!

        Thomas.

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  6. Ich habe mich, seit ich diesen Artikel gelesen habe, immer wieder gefragt, ob man sich selbst aus dem Sumpf ziehen kann und auf welche Weise.
    Ich wünsche mir manchmal, man könnte die Karte und die eigenen Wege von oben sehen, um zu begreifen, in welche Richtung man gehen muss und welche Hilfsmittel in der Umgebung herumliegen.
    Ich habe mich auch schon oft gefragt, warum manche Menschen scheinbar so durchs Leben gleiten und andere hart kämpfen müssen, nur um etwas Licht zu sehen und woher sie die Kraft nehmen sollen. Aber es könnte sein, dass das stimmt, was mir letztens jemand gesagt hat: dass jeder Schritt, auch die furchtbaren im Dunkeln, zum Weg dazugehören.

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    1. Ja, ich glaube daß man das kann.

      Bei mir sind es immer die Bücher. Worte die mir ein anderes Leben zeigen, eine andere Art die Welt zu sehen.

      Und wo es hin geht? Ich glaube dorthin wo das Herz zeigt. Es ist vielleicht falsch, aber wenn wir den Weg nicht gehen dann gibt unser Herz nie Ruhe.

      Und ja, viele Menschen gehen scheinbar schmerzlos durchs Leben. Aber ich will deren Leben nicht. Ich will meinen Schmerz, genauso wie ich meine Freude und Angst und Hingabe und meinen Reichtumg im Inneren will.

      Mit allen Konsequenzen.

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  7. Hallo Thomas, ich bin zufällig auf deine Seite gestoßen. Und die Zeilen die ich lesen konnte, haben mich sehr berührt.
    Du schreibst oben in einem Kommentar“Ich will meinen Schmerz, genauso wie ich meine Freude und Angst und Hingabe und meinen Reichtumg im Inneren will.“
    Du hast viel Reichtum in Dir – Schmerz, Freude, Angst, Hingabe…ein Schatz trägst du in dir…
    Das wolllte ich dir mal sagen…Feenstaub bekommst du noch von mir Tete

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    1. Hallo Teresa und danke für Deine Nachricht. Und danke dafür daß Du Dich berühren hast lassen!

      Und vielen vielen Dank für den Feenstaub. Es ist mir ja ein wenig peinlich, aber ab und an glaube ich auch an Zwerge und Feen … 🙂

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