„Kennt Ihr das …

20170516_110849.jpg„Kennt Ihr das Gefühl wenn man losgeht? Ihr steht vor einem schmalen Hohlweg, die Bäume wachsen bis an den Rand und lassen das Licht der Sonne nur gedämpft durch ihre Blätter fallen. Alles hat einen milden Zauber den Du glaubst zu kennen. Und dann setzt Du Deinen ersten Schritt auf den Weg.

Alte Geschichten fallen Dir ein, längst vergessene Bilder, Erinnerungen aus Deiner Kindheit, aus früheren Leben, Du denkst an Zwerge und Zauberer und Druiden.

Und Du lächelst.

Du bist der Welt entrückt und weißt für einen Augenblick nicht mehr wer Du bist, woher Du kommst. Und was Du hier eigentlich tust.

Und dann gehst Du los, setzt einen Schritt vor den anderen und verlierst Dich in einer Welt voller Zauber und Magie.“

 

Ich kann mich noch erinnern als ich das schrieb.

Und mit Wehmut denke ich zurück an den Menschen der ich einmal war.

 

Jünger, naiver, die Seele nicht beschwert von all den Narben und mein Herz voller Freude.

Natürlich, ich war schon damals traurig. Und natürlich gab es schon damals Schmerz und Hunger und Verzweiflung.

Aber das Leben war so viel leichter. Weil ich noch nicht mit all dem Wissen beschwert war. Mit der Erkenntnis um die Welt.

 

Jetzt bin ich um so vieles älter.

Auf so viele Arten.

 

Und auch wenn ich wieder auf meinem Weg bin, auch wenn es wieder Augenblicke voller Freude und Zuversicht gibt, gehe ich ihn doch mit Tränen in meinen Augen.

Weil ich um das Leben weiß.

Ich weiß jetzt um die Abgründe. Um den Haß, die Gewalt, die Trauer, den Tod und die Verzweiflung. Und ich weiß um vieles besser wie der Mensch sein kann.

 

Und ich weiß wie die Menschen sein könnten.

Und wie sie sind.

 

Es ist schön.

Und es ist traurig.

 

Vielleicht ist erwachsen werden, auf dem Weg des Erwachens sein, mit diesem Schmerz zu leben.

Mit dieser Erkenntnis zu leben.

Und trotzdem zu lachen.

 

Zu wissen daß wir sterben. Zu wissen daß wir leiden und hungern.

Und trotzdem versuchen aufrecht zu gehen.

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12 Gedanken zu “„Kennt Ihr das …”

  1. Bei mir sind es Gerüche. Gerüche, die mich von irgendwo anwehen und sofort eine Erinnerung auslösen. Doch meistens kann ich sie nicht fassen. Sie ist so flüchtig wie der vorbeiwehende Geruch. Proust und Madeleines. Ewige Verbundenheit von Nase und Erinnerung. Letztens las ich ein Buch, das mich sehr faszinierte. Quantenphysik, Multikosmos, extrem spannend. Dabei fiel mir eine Überlegung ein. Was wäre, wenn die Déjà-vus, die ja jeder kennt, keine Erinnerungsfetzen wären, sondern ein kurzer Blick in ein Paralleluniversum. Ein Blick in eine Welt, die unserer sehr ähnlich ist, aber einen Tick anders, weil wir irgendwann einen anderen Weg eingeschlagen, eine andere Entscheidung getroffen und somit den Gang dieser einen Welt verändert haben? Ich liebe dieses Thema! Das Buch heißt übrigens „Dark Matter- der Zeitenläufer“ von Blake Crouch

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    1. Ich kann Gerüche nur ganz schwer aushalten. Parfums sowieso nicht, aber auch Menschen, Tiere, Autos usw.

      Den Geruch von heißen Steinen in den Bergen mag ich. Oder ein leichtes Wehen von Bäumen. Aber sie lösen keine Erinnerungen und Bilder aus.

      Und danke für den Buchhinweis. Ich habe es mal auf meine Buchlist gesetzt!

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      1. Bei mir ist es der süßliche Geruch von Kühen und der der Geruch eines heißen Sommertages auf einem Bauernhof, der mir eine Geborgenheit zurückbringt, in die mich einen kurzen Moment einwickeln kann wie in einen schützenden Kokon. Als Großstadtkind habe ich meine Ferien immer auf Bauernhöfen (ohne Eltern und Geschwistern)verbracht. Es waren die schönsten Wochen meines Lebens.

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  2. Du schreibst „Aber das Leben war so viel leichter. Weil ich noch nicht mit all dem Wissen beschwert war.“ – Da habe ich mich wiedergefunden.
    Vielleicht – dachte ich gerade – sind wir deswegen alt – Weil wir (meinen) zu wissen…
    Kann ich mich da wieder von meinem Wissen befreien?…
    Das wäre doch dann die Aufgabe, wenn mich mein Wissen hindert. – Ich muss es wieder los werden!…
    Vielleicht gar nicht das Wissen, sondern meinen Glauben daran…

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    1. Hallo Michael.

      Es gab einmal einen Versuch in einem Altersheim, ich habe über ihn geschrieben am 04.05. Da geht es auch um dieses Thema.

      Und ich glaube daß das Thema furchtbar kompliziert und komplex ist. Und ich bin da auch noch nicht durch mit meinen Gedanken.

      Zur Zeit glaube ich daß wir uns gar nicht von dem Wissen befreien sollen. Denn dann wären wir wieder Kinder. Sondern daß wir es annehmen sollen und trotzdem stark und jung bleiben.

      Und ja, den Glauben daran abzuschütteln daß uns dieses Wissen alt und schwach und gebrechlich macht.

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  3. Wenn ich Kinder beobachte, die so voller Freude sind, völlig aufgehen im Tun, dann kommen mir ähnliche Gedanken. Zumindest bei den Kindern, die sicher und glücklich aufwachsen dürfen. Es scheint, sie leben so absolut im Augenblick. Doch, nochmal so jung sein wollen? Da zögere ich…

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    1. Ja, ich glaube das ist auch die Zeit dafür. Daß sie nur im Augenblick leben. Wir sind aus dem Paradies verstoßen und müssen erkennen. Und sehen wie wir trotzdem damit leben können und glücklich werden.

      Aber noch eimal so jung sein? Ich weiß auch nicht ob ich das wirklich will.

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  4. Ja, ich kenne das auch! Allerdings genieße ich heute das Leben viel intensiver, weil ich so viel mehr weiß und erkenne. Es ist vielleicht nicht leichter geworden, aber wertvoller. Weil ich heute weiß, das Leben ist begrenzt. Die Natur hat auf mich oft immer noch diese Wirkung, die Du oben so wunderbar beschreibst. Gerade jetzt im Fast-Schon-Sommer……..Liebe Grüße! Regine

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    1. Hallo Regine und danke.

      Und ja, vielleicht genießen wir wirklich mehr weil wir mehr erkannt haben. Ist ein schöner Gedanke über den ich einmal nachdenken muß.

      Und die Zeit jetzt ist toll. Noch schöner für mich ist aber der Altweibersommer und dann der Herbst. Das liebe ich.

      Thomas.

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