Maria von …

20170611_123426.jpgMaria von Wunderlandimpressions hat mir geschrieben: „Ich will zurück, was man mir nahm. Aber das geht nicht.“

Das hat mich tief getroffen. Dort wo es wirklich weh tut.

 

Und ich habe mich gefragt, bin ich eine Heulsuse? Bin ich ein Kind das immer haben will was es nicht bekommt? Oder ein Verrückter der nach verflossenen Zeiten heult?

 

Und ich frage mich jetzt, will ich wirklich wieder was ich einmal hatte?

Das was einmal gewesen ist? Alles davon?

Oder will ich nur die Zeit zurück? Die verlorene Zeit?

 

Doch ich weiß heute, das geht nicht.

 

Und im Lauf der Tage merkte ich daß sich mein Herz nach Trauer sehnt. Nach Trauer um das was war. Nach Trauer über das was mir angetan wurde.

Es sehnt sich nach Tränen, nach Schmerz und einer Zeit des Ruhens.

 

Denn  ich bin etwas zu schnell gelaufen. Ich baue mir ein neues Leben auf und habe vergessen das Alte wirklich abzuschließen. Den Teil des Alten der noch so schmerzt.

 

Die Jahre in denen ich einem Betrüger aufgesessen bin.

Die Jahre in denen ich so viel Zeit verlor, Lebenszeit, Arbeitszeit, Zeit für mich und meine Musik.

Die Jahre in denen ich mit meinen Händen schuften mußte und sie fast kaputt machte. Jahre in denen ich einen Menschen anlächeln mußte weil ich mich nicht wehren konnte. Und es nicht besser wußte.

Jahre in denen niemand da war der mir Halt gab.

 

Ich glaube mein Herz muß trauern damit es diesen Teil annehmen kann.

 

Damit es nicht mehr im Alten festhängt.

Damit ich das alles annehmen kann und wieder frei werde. Wenigstens frei davon.

 

Ich glaube wir alle müssen das von Zeit zu Zeit tun. Kein Verdrängen, kein Zuschütten mit all den Floskeln, sondern einmal wirklich trauern um das was uns angetan wurde.

 

Und dann kann man weitergehen.

Und dann kann ich weitergehen.

Denn ich lebe noch.

Und ich habe noch Zeit.

Zwar jeden Tag weniger.

 

Aber ich lebe noch.

 

Und ich merke jetzt, ich habe nicht nur ein Leben hinter mir sondern auch noch eines vor mir.

 

Und das macht Angst.

Aber es ist schön.

 

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14 Gedanken zu “Maria von …”

  1. Oh Mann! Mir presst sich auch jedes Mal das Herz zusammen, wenn ich solchen Schmerz spüre. Es ist in der Tat so, dass man durch den Schmerz hindurchgehen, die Trauer zulassen muss, bis an die Grenzen des Wahnsinns, um seelisch zu genesen. Das kann ich nur aus meinen Erfahrungen heraus versuchen zu vermitteln. Verrat, seelische und körperliche Misshandlungen, drei mal totalen finanziellen Verlust mit Neubeginn habe ich erlebt und dennoch kaum einen Schaden davongetragen auf diese Weise. Immer wieder neue Lebensfreude geschöpft, erfüllende Beziehung gefunden, meine Kinder aus dem Loch der Verzweiflung geholt und ins Leben zurückgeführt nach dem Verlust ihrer Schwester. Der Tod unserer Tochter war der am schwersten zu verwindende Verlust. Der Wunsch, sie zurück zu haben, noch einmal in den Arm zu nehmen, wird nie vergehen und das ist auch richtig so.
    Ansonsten hatte ich nur nach dem Rauswurf meines ersten Mannes das kurze Gefühl, etwas wiederhaben zu wollen. Ich merkte jedoch schnell, dass es die Illusion war, der ich nachweinte. Dann wollte ich es augenblicklich nicht mehr und auch der innere totale Schnitt war vollbracht.
    Ich wünsche dir und allen Leidenden, dass sie es so auch schaffen, einen neuen Sinn und Antrieb zu finden und wieder glücklich zu werden. Und sagt Euch immer wieder, wer Euch verletzt hat, hat Euch nicht verdient.

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    1. Ich kann mir gar nicht den Schmerz vorstellen den es bedeutet einen geliebten Menschen zu verlieren. Und ich glaube Dir daß das niemals vorbeigeht. Wie auch, das Loch das sie hinterlässt wird wahrscheinlich immer größer anstatt kleiner.

      Und wunderbar daß Du Deine Illusionen Durchschaut hast. Und Dein Inneres dann so schnell umgekrempelt. Ich bin da viel langsamer!

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      1. Ja, ich hatte da in gewisser Weise Glück. Alles Gefühl war wie mit der Schere abgeschnitten, als ich mir eingestand, dass die Basis auf einer eine Lüge aufgebaut war und deshalb auch der Rest mehr Film als Realität war. Das macht vieles leichter. Übrigens war die erste Handlung nach dem Rausschmiss ein Klischee: Zum Friseur und Haare ab. Fühlte sich gut an.

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      2. Ich glaube mal gelesen zu haben daß ein Teil des Inneren dann die Führung übernimmt um man das Gefühl hat in einem Film zu sein, so quasi als Schutzmechanismus.

        Stimmt das auch bei Dir damals?

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  2. Dieser eine, folgende Satz trifft mich mitten ins Herz!

    “ Jahre in denen ich einen Menschen anlächeln mußte weil ich mich nicht wehren konnte. Und es nicht besser wusste“

    Alles Glück 🐞dieser Welt, wünsche ich dir!

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    1. Hallo und vielen Dank für Deine Nachricht!

      Und kennst Du das auch aus Deinem Leben? Ich meine, ein wenig kennt es wahrscheinlich ein jeder, ein Chef der öde ist, oder der Kaufmann um die Ecke und so weiter.

      Aber kennst Du das auch so richtig?

      Ich frage nur weil Dich der Satz so getroffen hat?!

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      1. (Hatte den Beitrag schon mal, vor ein paar Std. gesendet, ist irgendwie nicht angekommen?)

        Hallo und Danke für deine Reaktion!

        Es gibt Erlebnisse und es gibt Reaktionen, letzteres zieht sich, wie ein roter Faden, durch mein Leben.

        Schon als Kind habe ich gut aussprechen können, wenn mir etwas nicht gut tat, wenn ich Fragen hatte (auch die, welche Erwachsenen unangenehm waren), eine Offenheit, die leider auch oft ausgenutzt wird.

        Zum Glück habe ich es geschafft nicht davor weg zu laufen, zumindest im weitesten Sinne.

        Ja, es gibt auch in meinem Leben etwas, was mich lange Zeit belegt hat, weshalb ich es ( an entsprechender Stelle) mehrmals thematisiert habe.
        In bestimmten Lebensphasen, kamen solche Erinnerungen wieder hoch.

        Schlimmer fand ich die Reaktionen!
        Einfach so tun, als wäre nichts passiert, nicht hinter einem stehen und stattdessen alles runter gespielt.
        Dadurch entstehen Verunsicherungen, die sogar noch Schuldgefühle hervor rufen können!

        Es ist ein Beispiel von Familie“ Saubermann“, alles unter den Teppich kehren, was ja auch heutzutage noch- genauso – zu beobachten ist.
        Nach außen geht es allen gut und innerlich wird geweint.
        Traurige Tatsache!

        Umgekehrt, wenn du ehrlich bist, will das kaum jemand hören, weil es ja bedeuten würde, dass die Fassade bröckeln könnte.

        Warum auch immer, bin ich meinem natürlichen Instinkt weiter gefolgt, was nicht immer leicht war, sich aber dafür richtig anfühlt!

        Immer, wenn ich es mal gebraucht hätte, dass jemand hinter mir steht, war keiner da (Begründung: Du bist doch viel stärker..)
        Das ist eine Erkenntnis, die mich ein wenig aufgefressen, sehr verletzt hat. Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, sondern um ein wenig Halt, dass Gefühl aufgehoben-geliebt zu sein.

        Unsere Gesellschaft neigt dazu „positives“ zu stärken und „negatives“ zu schwächen, dabei müsste es genau umgekehrt sein!
        Heißt:“Die, die schon alles haben, bekommen noch mehr und die, die nichts haben, bekommen noch weniger!“
        Geht es jemanden schlecht, dann wird es schon einen Grund haben usw….

        Jeder wird irgendetwas aus seiner Kindheit mit sich herumtragen, die einen legen es ab, andere nicht, es bleibt immer etwas davon, was ein Leben lang begleitet.

        Der Satz, aus deinem Text,der mich so sehr berührt hat, macht auch noch mal deutlich, wie wenig Aussenstehende reagieren, die in solchen Fällen helfen könnten (ich weiß nicht, ob es jemanden gab, der deine Situation mitbekommen hat?)
        Auch hier ist es genau umgekehrt zu beobachten!
        Wer Mist baut, findet „im Nu“ jede Menge Henker,
        braucht jemand Hilfe, werden Augen verschlossen.
        Regt mich schon immer sehr auf!

        Mit Depressionen kenne ich mich nicht so gut aus, denke aber, dass es oft zu schnell (wie viele andere neurologische Erkrankungen auch) diagnostiziert wird, weil man ja immer einen „Schuldigen“ braucht.
        Das soll jetzt“echte Depressionen“ nicht abwerten, auf keinen Fall, ist sicher sogar sehr wichtig, diese​ ggf zu erkennen.
        Entscheidend ist doch, dass man die Ursachen findet und nicht die Bezeichnung (die ja leider zu Vorurteilen führt und somit isolierend sein kann)

        Unser Zeitalter lässt immer weniger zu, dass Menschen ihren natürlichen Spuren folgen können! Keine Zeit, abgelenkt von einem Übermaß an Medien und materiellem Schrott, da bleibt für Menschlichkeit kaum noch Platz!

        Jetzt habe ich aber weit ausgeholt!

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      2. Danke daß Du Dir die Mühe gegeben hast so weit auszuholen. Das ehrt mich und freut mich natürlich.

        Und in vielem verstehe ich Dich weil es mir damit gleich ergangen ist. Nur daß ich als Kind sprachlos war, weder Fragen stellen konnte noch Antworten geben. Das habe ich erst im Erwachsenenalter gelernt.

        Und ja, ich glaube auch daß das der Hauptgrund ist daß man Ehrlichkeit abwertet: weil dann im Leben der Anderen die Fassade bröckelt, weil ihr Kartenhaus dann wackelt oder einstürzt.

        Und das mit der Menschlichkeit sehe ich auch so. Es gibt noch viele, wirklich sehr viele Einzelmenschen die menschlich sind und sich gegen den Zeitgeist stellen. Aber die Richtung in die die Welt in ihrer Menschlichkeit geht ist nach meiner Meinung keine gute.

        Gefällt 1 Person

  3. Was für ein schöner und berührender Text! Ich denke auch, dass wir die Trauer nicht verdrängen oder mit Floskeln ersticken sollten. Die Trauer gehört zum Leben dazu, genauso wie die Freude. Doch leider hat die Trauer in unserer Spass- und Leistungsgesellschaft oft keinen Platz.

    Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für Deinen Kommentar. Und so weit war ich mit meinem Denken noch gar nicht. Aber es stimmt. In unserer Kultur, in unserer jetzigen Kultur wird dem kein Platz mehr eingeräumt. Es ist sogar fast so als müßte man sich schämen wenn man traurig ist.

      Ich habe mal nachgedacht daß es früher für Depression das Wort Melancholie gegeben hat. Ist das nicht schön? Depression ist etwas was man behandeln muß, etwas das weggehört damit man wieder leistungsfähig ist. Melancholie aber, das zeigt einfach einen Zustand der Seele in Verbundenheit zur Welt, und es zeigt daß man mit der Welt nicht einverstanden ist oder mit ihr nicht klarkommt.

      Vielleicht ist es deshalb nicht mehr in Gebrauch.

      Gefällt 1 Person

  4. Zitat von Sooderso : Unsere Gesellschaft neigt dazu „positives“ zu stärken und „negatives“ zu schwächen, dabei müsste es genau umgekehrt sein!

    Dieser Meinung bin ich auch . Vor allem in der Erziehung und Begleitung eines kleinen, noch ungeformten Menschenwesen hat dieser Satz besondere Bedeutung. Die Worte *Kinder sind unsere Zukunft* klingen mir zu abgedroschen. Welche Zukunft bereiten wir unseren Kindern? Und nicht nur in unserem Land. Ich bin sehr ratlos und kann nur hoffen, dass kleine Menschen auch ohne unsere *Erziehung* ihren Weg finden in dieser unruhigen Welt…

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