Es ist schwer sich …

20161025_114522.jpgEs ist schwer sich selbst zu sehen. Schaut man in den Spiegel sieht man nur Teile seiner Selbst. Aber nie bekommen wir ein wahres Bild von uns als Mensch.

Genauso ist es wenn man über sich selbst nachdenkt. Man sieht immer nur kleine Splitter. Ein Gedanke, ein Bild aus der Vergangenheit, alte Träume.

Denn nie nimmt man sich die Zeit, geht einen Schritt zurück und versucht sich ganz zu sehen.

Vielleicht würde es uns erschrecken. Und Schmerz bereiten.

Aber man kann den Mut aufbringen und es versuchen.

 

Ich kenne mich nicht mehr.

Ich weiß nicht mehr wer ich bin.

Ich bin mir fremd geworden.

 

So lange Zeit war ich Musiker, Lesender, Suchender nach mir und meinem Platz in der Welt.

Und heute?

Irgendetwas scheint mit mir geschehen. Der ich war, der bin ich nicht mehr. Und der ich bin, den kenne ich nicht mehr.

 

Ich merke nur daß ich, wenn ich um mich sehe, die Welt nicht mehr erkenne. Daß es die Welt die ich zu kennen glaubte nicht mehr gibt. Daß sie uns entschwunden ist

Und ich mache mir Sorgen.

Um mich. Um die Welt.

Aber vor allem um unsere Kinder.

 

Ich liebe die Musik nicht mehr wie früher.

Die Kunst bedeutet mir nicht mehr alles.

Und ich verstehe die Welt nicht mehr.

 

Dabei scheint mir die Welt heute so viel wichtiger als jemals zuvor. Nicht die Welt wie sie ist, sondern die Welt die gerade verloren geht. Der Glaube an den Humanismus, unsere Kultur, all das was die Schönheit und den Wert des Lebens mit ausmacht.

Die Welt die wir bewahren müßten.

Und die gerade verschwindet.

 

Ich merke daß die Welt so viel verloren hat.

Und ich merke daß auch ich so viel verloren habe.

Durch meinen verworrenen Weg. Durch das Fernsehen. Durch das Internet. Durch die Beschäftigung mit Dingen die ach so lebensfeindlich sind.

 

Und ich vermisse die Dinge die ich verloren habe.

Die Musik. Die Dichter. Unsere Geschichte.

Und ihren Wert in meinem Leben.

 

Und ich vermisse es daß es das heute kaum noch gibt.

Wir leben in einer Welt die dabei ist alles zu verlieren. Unsere Geschichte, unsere Musik, unsere Dichter und Sänger.

Und wir verlieren eine ganze Generation an Kindern und Jugendlichen.

Und hinterlassen ihnen eine Welt ohne Hoffnung.

 

Und ich möchte schreien. Aufstehen und etwas tun.

Für mich.

Aber vor allem für die jungen Menschen

die noch bleiben müssen

wenn ich gehe.

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13 Gedanken zu “Es ist schwer sich …”

  1. Mich treibt auch die Sorge an um die Welt, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen. Das habe ich ja schon öfter und auch hart formuliert. Weil die Gesellschaft an einem Scheideweg angelangt ist, es so, wie es ist, nicht weitergehen kann und es immer einen Punkt gibt, an dem gewisse Entwicklungen nicht mehr umkehrbar sind. Manchmal bin ich deshalb auch laut und lästig. Aber ich beobachte auch, dass immer mehr Menschen dies sehen und eine Gegenbewegung sich formiert. Angst habe ich nur, dass es vielleicht nicht reicht.
    Was du für dich verloren glaubst, ist nicht für immer fort. Es ist m. E. dein Schmerz im Umbruch, der die Empfindungen betäubt. Und da du noch nicht ganz angekommen bist in einem neuen Sinn, erscheinst du dir fremd. Bei mir war es jedenfalls im größten Schmerz so, dass ich die Vögel nicht mehr hörte, das Gras und die Blumen nicht mehr roch und ich erinnere mich an die Angst, dass es für immer so bleiben könne. Ich war leer und gleichzeitig unglaublich beschwert, sodass ich an manchen Tagen kaum die Füße heben konnte. Verloren gegangen im Niemandsland meiner Seele zwischen den Sphären. Nicht mehr dort, noch nicht hier. Aber es ging vorbei. Und ich kann sagen, ich bin ein glücklicher Mensch.
    Sobald du dich gelöst hast von schädlichen Menschen und deinen Kummer verarbeitet hast, wird es wieder besser. Das wünsche ich dir für deine Zukunft.

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    1. Ja, Du beschreibst es wunderbar. Die Vögel nicht mehr zu hören, das Gras und die Blumen nicht mehr zu riechen.

      Und vielleicht geht es allen so? Vielleicht sind alle so im Schmerz und deshalb nehmen sie die Welt nicht mehr richtig wahr?

      Und mit dem Schmerz den ich habe kann ich leben. Aber nicht mit dem Schmerz wenn ich hilflos bin in einer Welt die die Kinder nicht mehr schützt, die ihnen kein schönes Leben bieten will sondern nur darauf schaut selbst möglichst viel Spaß zu haben und zu kaufen, kaufen, kaufen.

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  2. Es sind oft vergangene Erfahrungen, die den Blickwinkel verändern, dich nicht mehr unbefangenen sehen lassen , was die Frage zur Folge haben kann:“Wofür mache ich das alles eigentlich, wenn der nächste alles wieder über den Haufen wirft, wo du hart für gekämpft hast! So scheint der Lauf der Dinge.

    Mit jedem Moment bist du ein anderer, jede Erfahrung verändert, führt oft in neue Richtungen. Vieles war vielleicht früher schon da, nur das es im “ rennen mit der Zeit“ nicht so wahrgenommen, beiseite geschoben wird.
    Hat man dann plötzlich Zeit, laufen die Gedanken kreuz und quer.

    In Wirklichkeit bist du kein anderer, sondern der, der auf seinem Weg, im hier und jetzt angekommen ist, ob mit positivem Empfinden, oder negativen.

    Es ist nicht selten die Vergangenheit, der Blick zurück auf sein Leben!?

    Menschen brauchen eine Aufgabe,etwas, wofür es sich lohnt zu leben und am allermeisten ist es die Liebe, welche uns auf fängt,,(oder auch nicht,) am Leben erhält!
    So jedenfalls meine Gedanken.

    Unser Zeitgeist tut sein übriges dazu!
    Wenn innerhalb der Familie schon Spaltungen entstanden sind, man sich selbst wie ein Ausserirdischer vorkommt, steht man alleine da.

    Jedes kämpfen und daran arbeiten (was unbedingt versucht werden sollte), hat seine Grenzen und irgendwann erscheint selbständig die Frage, was dein Leben wert war, wert ist…

    Für die nachfolgenden Generation vorsorgen, sehe ich wie Du auch!
    Wir stehen -diesbezüglich- in der Verantwortung!

    Es wird immer aktive Menschen geben und die, welche sich beschweren, aber keine Unterstützung leisten wollen, was ich für mich so akzeptiert habe, mich nicht mehr darüber ärgere!

    Vorleben, wie es gehen kann… sicher noch die beste Methode!

    Deine Situation ist ähnlich meiner und manchmal muss man vielleicht eine Weile im Augenblick leben, ohne nach vorne oder hinten zu schauen, bis die Zeit, vielleicht,reif ist, um weiter zu gehen!?

    Lieben Gruß

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    1. Danke für Deine Worte die mir zu denken geben. Vielleicht verstehe ich nicht alles richtig, aber ich habe keine Problem damit daß das was ich mache später umgeworfen wird. Das war immer so und ist der Lauf der Welt. Ich hoffe sogar daß sich junge Menschen finden die dort weitermachen wo wir aufgehört haben.

      Und schön daß ich nicht der einzige bin des sich verantwortlich fühlt. Aber nur vorleben scheint mir zu wenig zu sein. Ja, sicher, das ist das Wichtigst, ansonsten wäre es nur ein Lügengebäude. Aber um durch den Lärm hindurch wahrgenommen zu werden braucht es noch viel mehr.

      Vielleicht nicht Gegenlärm, aber ein lautes sich bemerkbar machen und die Menschen mit der Nase darauf stoßen. Vielleicht würde das für den Anfang helfen.

      Thomas.

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      1. Hallo und lieben Dank für deine Antwort!

        Was ich eigentlich meinte, betrifft WERTSCHÄTZUNG, UMGANG und
        RESPEKT und das nicht im MATERIELLEN, vielmehr im IDEELEN! SINNE
        Zum Beispiel: etwas erhalten, um es weiter zu geben usw

        Mein Eindruck ist der, daß heute alles sehr schnell austauschbar ist, oberflächlich!

        Natürlich reicht es nicht aus Umgang positiv zu praktizieren, ist mehr methodisch gemeint.
        Es gibt einige Möglichkeiten, andere wach zu rütteln, ausserdem machen solche Aktionen/, Projekte… gemeinsam viel Spaß!

        Genau so wichtig ist es, sich abzugrenzen, wenn die Kraft gerade nicht reicht, fällt mir -beispielsweise- sehr schwer,

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      2. Nur kurz zur Schnelligkeit und Austauschbarkeit.

        Ja, ich glaube daß Dein Eindruck richtig ist. Und glaube das ist entstanden dadurch daß so viele Menschen durch den Fernseher, durch das Netz sozialisiert werden und in diesem Tempo und dieser Geisteshaltung leben.

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      3. Noch ein Nachsatz!

        Wir leben einer Zeit,wo die Sinne schwinden, was das eigentliche Drama darstellt!
        Da sehe ich auch einen Ansatz, es braucht Angebote, welche die Sinne ansprechen und üben!
        Es gibt ja das Sprichwort:“Wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen!“… ist sehr zutreffend!

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      4. Ich glaube die Sinne schwinden durch die permanente Überforderung.

        Wenn es immer laut ist dann kann ich keine leisen Töne mehr hören. Und wenn es immer blitzt und flimmert dann kann ich keine Pastellfarben mehr erkennen.

        Also ja, ich gebe Dir voll Recht!

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  3. Ich glaube, dass die Welt für uns eine Fremde wird, für die Kinder und Jugendlichen und die, die kommen aber genau die richtige ist. Ging es uns und unseren Eltern nicht ähnlich? Hatten sie nicht Angst, wenn wir nur Spaß und Erlebnis sahen? Die Welt, in die wir geboren wurden ändert sich und wird uns fremd. Das ist nicht schlimm, finde ich. Mit der ruhe der älteren kann man neugierig darauf blicken und von den jüngeren lernen, was für eine Welt das ist und welche Möglichkeiten sie bereit hält! Veränderung IST leben! An sich selbst arbeiten und sich erkennen und verfeinern vielleicht der Sinn 😉

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    1. Hallo und danke für Deine Antwort.

      Aber ich bin da ganz anderer Meinung. Noch vor einiger Zeit hätte ich Dir wahrscheinlich Recht gegeben, aber ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema beschäftigt und sehe das nicht mehr so positiv wie Du.

      Denn was Du beschreibst das verstehe ich, die Gedanken hatte ich auch. Aber es geht heute nicht mehr um eine Änderung unserer Kultur, unserer Gesellschaft in Richtung die Jungen haben eben Spaß, und dann später werden sie schon erwachsen werden und auf den richtigen Weg kommen und unsere Werte, irgendwelche Werte weitertragen und alles wird gut. Denn ich glaube das wird nicht passieren.

      Wieso ich das glaube? Weil eine neue Medienumwelt entstanden ist. Und die ist absolut verschieden von der die wir kennen, in der wir sozialisiert wurden und auf die alles fußt das uns lieb und teuer ist. Werte wie Demokratie, Gleichberechtigung, Freiheit usw. sind Dinge die nicht einfach da sind sondern die immer wieder neu gedacht und dadurch bewahrt werden müssen.

      Und das kann nicht passieren in einer Welt die ihr Gehirn verliert, die ihre Gedanken nur mehr aus Unterhaltung zieht und keine Vorbilder hat wie man ein reiches Innenleben schafft.

      Thomas.

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      1. Oh dann kenne ich vielleicht noch eine andere Jugend als du, bewege mich in anderen kreisen. Das, was ich bei meiner Nichte und meiner großen Tochter und all ihren Freunden erlebe, erfüllt mich mit Hoffnung und Zuversicht. Die werte, die du beschreibst, sind für sie selbstverständlich und sie treten aktiv für sie ein. Und sie Sind dabei keine Einzelfälle. Vielleicht hat das mit berlin zu tun . Auf dem Land ist sicher vieles noch ganz anders. Aber auch diese Jugend ist da und wirken und wirkt schon.

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